Nun hat das Profil eine der letzten Heiligen Kühe des Landes geschlachtet. Aber wie! Dr. Helmut Zilk war vielleicht einer der berühmtesten und beliebtesten Politiker Österreichs. Gerade Zilk, als einer der letzen „vertrauenswürdigen“ Politikerpersönlichkeiten, der Spionage für die ehemalige CSSR und gegen die Republik zu bezichtigen, ist dann schon fast Blasphemie. Zumindest in Österreich. Die ganze Story erinnert mich irgendwie an Gulasch, das schmeckt aufgewärmt auch immer am besten. Die ganze Diskussion gab es nämlich schon einmal in den 90ern, ist damals aber im Sand verlaufen.
Die großen Fragen sind nun ob überhaupt, wie bewusst und warum eigentlich Zilk damals „spioniert“ hat. Eben jene Fragen wurden auch in der gestrigen ORF-Sendung im Zentrum heißblütigst diskutiert. Neben Herbert Lackner (Chefredakteur des Profil, „Schlächter der Heiligen Kuh“ sozusagen) und Gerd Bacher (ehem. ORF-General, Chef & Freund Zilks) war da auch die Witwe des vermeintlichen „Spions“, Dagmar Koller. Diese verstand es durch ständige Zurufe („Ich muss gleich Kotzen“) und unter Einsatz eines Kruzifixes und einer Grabkerze, ein auch nur halbwegs sachliches Gespräch zu verhindern. Dass da Emotionen im Spiel sind ist vollkommen verständlich und durchaus menschlich, doch hat das meines Erachtens nach relativ wenig in einer seriösen TV-Sendung zu suchen.
Ob dieser Fall restlos geklärt werden kann, steht in den Sternen, da im Innenministerium Akten „verschwanden“. Die Süddeutsche dazu: „Typisch Wien, möchte man meinen.“ Na dann

»Die Träumer und Wünschenden halten den feineren Stoff des Lebens in ihren Händen«
Franz Kafka
Die Schlächter der Heiligen Kuh.. du bringst es auf den Punkt!
Man könnt profil auch in die Kategorie Staubsaugerjournalismus einordnen, immer auf der Suche nach ein bisserl Staub in den sonst so faden österreichischen Ritzen.
Und der vergleich mit dem Gulasch stimmt auch. Generell erscheints mir dass wir Österreicher die Meister der halben Sachen sind. Das fängt am beim teilweisen Rauchverbot, der teilweisen Entnazifizierung, der teilweisen Abschaffung des Bankgeheimnisses… und dem teilweisen „viel wind um nix“ machen, wie diese Debatte wieder einmal zeigt, die sich wahrscheinlich auch bald wieder im Sand verlaufen wird.
Ist ja eh schön, oder? da kann man am wenigsten falsch machen und hält sich immer schön im hintergrund. Die Drecksarbeit sollen andere machen.
viva la neutralidad!